Helfer und helfen

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Ein Spendenaufruf des Retscheider Hofs zeigt deutlich das Problem des Internet-Aktionismus.

Menschen machen Herzchen und glauben, dass sie ja „was getan haben“. Das fällt mir immer wieder auf, wenn ich Beiträge lese, in denen eine konkrete Hilfe angefragt wird. Jede Menge „Herzchenmacher“, wenige, die konkret etwas tun. Kein Lebenshof, keine Hilfsorganisationen etc hätte je wieder Probleme, wenn man Internetherzchen verfüttern könnte. Aber – große Überraschung: kann man gar nicht!

Natürlich tut es gut, freundliche Worte zu hören, ganz bestimmt. Aber manchmal – und insbesondere dann, wenn man konkret um Hilfe bittet – dann reicht das einfach nicht. Selbst wir haben die Erfahrung schon gemacht. Wenn ich daran denke, was wir an Zuspruch erhielten, als klar war, dass wir machen, was wir machen … Kurz dachte ich darüber nach, was ich eigentlich mit meiner Zeit anfange, wenn all diese Leute „immer“, mindestens aber „jedes Wochenende“ vorbeikommen würden … praktischerweise hat sich das recht schnell in Luft aufgelöst, so dass mir nie langweilig ist. Glücklicherweise haben wir nie etwas davon abhängig gemacht, dass uns jemand anderes hilft – alles läuft und passiert – aber irgendwo, so ganz tief drin, bin ich doch irgendwie enttäuscht – auch wenn ich weiss, dass das falsch ist.

Alle, mit denen ich darüber gesprochen habe, teilen diese Erfahrung; die einen kommen besser, die andern schlechter damit zu recht. Kaum jemand glaubt noch an „ich komme bestimmt mal vorbei“ und – und das ist eigentlich viel tragischer – viele achten auch nicht mehr auf die „Herzchen“. Das ist aber irgendwie auch doof, denn ein bisschen Zuspruch tu ja auch gut …

Der Plan ist also wie folgt: wenn Leute was Nettes schreiben oder sagen, freue ich mich. Und wenn sie für sich den Plan haben, uns zu helfen, dann freue ich mich auch. Wenn sie das dann tatsächlich auch in die Realität umgesetzt haben, freue ich mich noch ein bisschen mehr.

Und was mich am meisten freut, ist, wenn Leute auf einmal da sind – ohne großes Drumherum, ohne Trommelwirbel und extra Aufforderung, ohne Anspruchshaltung: so sind wunderbare neue Freundschaften entstanden und alte sind wieder aufgelebt. Danke an Euch!